Von Sjoukje Goldman, Sara Lone und Anne Gommers.

Der skandinavische E-Commerce-Markt wächst exponentiell. Dänemark, Norwegen und Schweden gehören alle zu den Top 10 der grenzüberschreitenden Länder. Dies ist eine jährliche Rangliste der 16 besten europäischen Länder beim grenzüberschreitenden Online-Einkauf von CBCommerce. Diese Länder sind daher für die Expansion von E-Einzelhändlern von großem Interesse. Außerdem sind diese Länder Vorreiter für den Rest Europas in Sachen Technologie und Nachhaltigkeit. Aber was ist wichtig über diese Länder zu wissen?
Der Einstieg in den skandinavischen E-Commerce-Markt kann eine Herausforderung sein, die mit verschiedenen Hindernissen verbunden ist. Misstrauen gegenüber ausländischen Websites und ein Kundenservice, der nicht in der Muttersprache angeboten wird, sind Beispiele für Gründe, warum skandinavische Verbraucher nicht bei ausländischen Webshops einkaufen (Statista, 2021).1 Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten, diese Hindernisse zu überwinden und ein erfolgreicher grenzüberschreitender E-Händler auf dem nordischen E-Commerce-Markt zu sein. Es wurden Untersuchungen durchgeführt, um die wichtigsten Erkenntnisse für E-Retailer zu ermitteln, die über nationale Grenzen hinweg in ein oder mehrere Länder der skandinavischen Region expandieren möchten. Ungefähr 250 E-Retailer-Websites in den Ländern Finnland, Dänemark, Schweden, Island und Norwegen wurden analysiert, um die wichtigsten Website-Merkmale pro Land zu verstehen. Die Ergebnisse der Analyse wurden ausgewertet und mit Experteninterviews und vorhandener Literatur verglichen. Die bemerkenswertesten Ergebnisse wurden in sechs Kernaussagen zusammengefasst.
Die erste wichtige Erkenntnis ist ein bekanntes Konzept für alle, die im grenzüberschreitenden E-Commerce tätig sind: die Lokalisierung der Website. Bei allen grenzüberschreitenden E-Commerce-Aktivitäten trägt die Übersetzung einer Website in die jeweilige Landessprache direkt zum lokalen Erfolg bei. Dies hat vor allem mit dem Vertrauen der Verbraucher in eine Website zu tun. Ist die Website in ihrer eigenen Sprache verfasst, ist das Aussehen und die Bedienung vertraut, und der Verbraucher wird eher geneigt sein, dem E-Händler zu vertrauen und eine Bestellung aufzugeben. Dies gilt auch für Webshops, die grenzüberschreitend in skandinavische Länder gehen. In der Praxis kann die Lokalisierung für E-Retailer jedoch immer noch eine schwierige Erfahrung sein. Um die Lokalisierung optimal durchführen zu können, ist eine gründliche Kenntnis der lokalen Sprache und Gepflogenheiten erforderlich. Neben der Übersetzung und dem lokalen Kundenservice, den Währungen und Gepflogenheiten müssen auch die lokalen Zahlungs- und Lieferoptionen berücksichtigt werden (PostNord, 2016).
E-Retailer auf der ganzen Welt bieten verschiedene Zahlungsmöglichkeiten für Online-Transaktionen an. In den skandinavischen Ländern sind die gängigsten Zahlungsmethoden, die E-Retailer anbieten, Kreditkarten und Debitkarten von lokalen Banken für Transaktionen über den Webshop. Online-Banking ist ebenfalls eine beliebte Zahlungsmethode, insbesondere in Schweden (fast 70 % der meistbesuchten Webshops bieten diese Option an). Das Tool After Pay wird von mehr als 50 % der E-Retailer in Norwegen und Schweden angeboten. Dies steht in krassem Gegensatz zu Island, Finnland und Dänemark, wo After Pay nur in sehr geringem Maße genutzt wird. Es ist bekannt, dass das Fehlen der von den Verbrauchern bevorzugten Zahlungsmethoden ein Grund ist, nicht in ausländischen Webshops einzukaufen (Statista, 2021), und ist daher für die Lokalisierungsstrategie eines E-Retailers pro Land sehr wichtig.

Die Bereitstellung umfassender Informationen über die Logistik ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Die Verbraucher wollen aktuelle Informationen zur Logistik und die Möglichkeit, eine Auswahl zu treffen. Die Möglichkeit, die Rückgabemethode und den Ort der Rückgabe zu wählen, z. B. eine Abholstelle oder die Abholung zu Hause, kann sich positiv auf die Kaufabsichten der Verbraucher auswirken (PostNord, 2019). In der Tat haben Studien immer wieder bewiesen, dass die Bereitstellung einer einfachen Option zur Rückgabe von Produkten oder Dienstleistungen und die Möglichkeit, aus mehreren Alternativen zu wählen, einen positiven Einfluss auf die Anzahl der Website-Besucher und die Konversionsraten haben kann.
Die am häufigsten angebotene Lieferoption ist die Lieferung nach Hause, gefolgt von der Lieferung an eine Abholstelle. Darüber hinaus hat sich die Abendzustellung in Dänemark und Finnland als eine beliebte Zustelloption erwiesen und wird von etwa 15 % der finnischen Einzelhändler angeboten. Maschinelle Abholstellen, automatische Paketschließfächer, in denen die Kunden Pakete abholen und versenden können, sind eine aufstrebende Zustelloption in den skandinavischen Ländern. Obwohl diese Option in Island, Norwegen und Schweden von E-Retailern nicht angeboten wird, bieten 20-25 % der E-Retailer in Dänemark und Finnland Automatenabholstellen an. Etwa 60-80 % der skandinavischen E-Retailer bieten die Rückgabe per Post an, was die häufigste Rückgabemöglichkeit darstellt. 21 % der finnischen E-Retailer bieten auch die Rückgabe eines Pakets im Ladengeschäft an, aber nicht jeder E-Retailer hat ein Ladengeschäft oder Lager. Die Rücksendung über eine lokale Rückgabestelle wird von skandinavischen E-Retailern fast nie genutzt.

Das Anbieten einer allgemeinen Politik, einer Datenschutzpolitik und einer Sicherheitspolitik ist wichtig, um das Vertrauen der Verbraucher zu erhalten. Fast alle E-Retailer in allen skandinavischen Ländern informieren die Webbesucher über ihre Richtlinien. Nur etwa 65 % der finnischen E-Retailer bieten Informationen über die Datenschutzerklärung, die allgemeinen Geschäftsbedingungen und einen Sicherheitsverschluss an, während 70 % bis 75 % der E-Retailer in Island diese Informationen anbieten. Mehr als 90 % der Online-Einzelhändler in Dänemark, Norwegen und Schweden bieten Informationen über den Datenschutz, die Sicherheit und die allgemeinen Geschäftsbedingungen an.
Ab dem 1. Juli 2021 gilt im gesamten EU-Binnenmarkt eine neue Mehrwertsteuerregelung für den internationalen elektronischen Handel. Diese Regel besagt, dass alle importierten Waren aus Nicht-EU-Ländern mit der Mehrwertsteuer besteuert werden. Obwohl Norwegen und Island keine Mitglieder der Europäischen Union sind, sind diese beiden Länder Teil der Europäischen Freihandelsassoziation und Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraums. Island und Norwegen müssen daher die gleichen Bedingungen einhalten wie die anderen Mitglieder der Europäischen Union und sind gleichberechtigte Partner im Binnenmarkt. Dieses Balkendiagramm zeigt die von den E-Händlern der einzelnen Länder angebotenen Maßnahmen. Die Daten wurden durch die Analyse von 186 E-Retailern aus Schweden, Norwegen, Island, Dänemark und Finnland im Jahr 2021 erhoben.

Um das Vertrauen der Verbraucher und ihrer Daten zu erhalten, kann auf der Website ein Sicherheitskennzeichen eingerichtet werden, das vorzugsweise auf der Startseite der Website angezeigt wird.
In den skandinavischen Ländern ist die Nachhaltigkeit zu einem der wichtigsten gesellschaftlichen Themen für Verbraucher und Unternehmen geworden. Ob durch die Medien oder durch staatliche Vorschriften, die skandinavischen Verbraucher sind nun bestrebt, beim Online-Einkauf eine gewissenhafte Auswahl zu treffen.
Die Transparenz der Produktlieferkette und der Herstellung sowie des Transports ist für die Verbraucher immer wichtiger geworden. Einer von drei skandinavischen Verbrauchern zahlte 2019 sogar einen Aufpreis für die Kompensation von CO2-Emissionen bei der Lieferung (PostNord, 2019).8 Eine weitere Analyse der Websites von Online-Händlern ergab jedoch, dass weniger als 5 % nachhaltige Optionen anbieten, z. B. eine umweltfreundliche Lieferung oder nachhaltige Produkte. Online-Shops, die nachhaltige Optionen anboten, wiesen dies in der Regel mit einem Zertifikat auf der Website aus.
Beispiele für diese Zertifikate sind CEWE-Nachhaltigkeit, CO2-neutral, Umweltzeichen/Ökoschwan und nachhaltige Verpackung (aus dem Dänischen übersetzt). Diese Ergebnisse deuten stark darauf hin, dass es wichtig ist, die Nachhaltigkeit von Produkten, Verpackungen und/oder Lieferungen zu zeigen.
Die Internetdurchdringung der Haushalte in den skandinavischen Ländern liegt bei über 94 %, und von den Haushalten in Norwegen haben 98,4 % Zugang zum Internet. Nahezu jeder Haushalt in Skandinavien hat Zugang zum Internet, was die Nutzung digitaler Werkzeuge recht fortschrittlich macht und die digitalen Fähigkeiten in der Region erhöht. Natürlich werden diese digitalen Fähigkeiten bei einer Vielzahl von Online-Aktivitäten genutzt, z. B. beim Konsum von Online-Inhalten oder beim Online-Shopping. Unter
2019 haben über 50 % der Verbraucher in den skandinavischen Ländern online eingekauft. 70 % der schwedischen Verbraucher haben online eingekauft. Darüber hinaus ist das Einkaufen über ein Mobiltelefon im Laufe der Jahre einfacher geworden. Im Jahr 2019 nutzten fast 50 % der Verbraucher Mobiltelefone für Online-Einkäufe. Die Technologie hat sich sehr schnell weiterentwickelt, und Innovationen wie Social-Media-Plattformen haben eine völlig neue Infrastruktur geschaffen, die den Online-Einkauf über ein Mobiltelefon unterstützt. Die Nutzung eines mobilen Geräts für den Online-Einkauf wird in den skandinavischen Ländern immer mehr zu einer normalen Gewohnheit.
Leben der skandinavischen Verbraucher. Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass die Lokalisierung einer der wichtigsten Faktoren ist, um im grenzüberschreitenden E-Commerce erfolgreich zu sein. Obwohl die skandinavischen Länder oft in einen Topf geworfen werden, ist die Lokalisierung entscheidend, wenn man auf diesen E-Commerce-Märkten wirklich erfolgreich sein will. Diese Unterschiede mögen geringfügig erscheinen, aber sie sind bei einer grenzüberschreitenden E-Commerce-Strategie unbedingt zu berücksichtigen.
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